Ein kleines Lächeln c

Ein kleines Lächeln c

Duration:

31. März – 2. April 2022
Galerie “Feel the Art” im Schlosscarree

Photographer:

Zeichnung, Objekt- und interaktive Video-Performance-Installation

Yingmei Duan in Zusammenarbeit mit der Galerie „Feel the Art – Kunstmarkt im Schlosscarree“ von Rolf Reineke

Mit freundlicher Unterstützung von 

             Stadt Braunschweig Fachbereich für Kultur und Wissenschaft

             Freundeskreis Bildender Künstler in Braunschweig e.V.

            Kunthaus BBK Braunschweig

In Kooperation mit der Galerie „Feel the Art – Kunstmarkt im Schlosscarree“ präsentiert die Künstlerin Yingmei Duan die Ausstellung „Ein kleines Lächeln“. Diese Ausstellung ist ideellen Zielen verpflichtet und fügt sich als Dialog in die aktuelle Raumsituation der Galerie ein.

Duan hat sich in den vergangenen Monaten regelmäßig mit zehn Menschen aus Braunschweig, Königslutter und Wolfenbüttel getroffen, die alle 50 Jahre und älter sind. Mit ihnen zusammen hat sie chinesische Hieroglyphen kalligraphisch geschrieben, zeichnerisch und malerisch weiterentwickelt und mit jeder*m Teilnehmer*in einen Videofilm realisiert, der auf die kreative Auseinandersetzung mit den Hieroglyphen und den individuellen Lebensweg der Teilnehmer*innen eingeht.

Die Künstlerin wurde 1969 in China geboren, hat bei Marina Abramovic und Christoph Schlingensief an der HBK Braunschweig studiert, und lebt seit mehr als 20 Jahren in Braunschweig.

Im Projekt „Ein kleines Lächeln“ hat sie einige Menschen, die hier leben, in der künstlerischen Zusammenarbeit näher kennengelernt. Ausgehend von der Kunst der chinesischen Hieroglyphen wollte sie so zwischen China und Deutschland kleine Brücken bauen.

Hieroglyphen, die so lebendig wie ein Bild sind, gehören zu den ältesten Schriftzeichen der Menschheit. Die Poesie dieser alten Kunstform wird in einer aus Zeichnungen, Videos und Objekten gebauten Installation lebendig.

Katja Albrechts Kalligraphien, den chinesischen Hieroglyphen nachempfunden, wirken durch ihren sicheren, ruhigen Strich positiv und heiter.

„Das Kalligraphieren hat etwas sehr Beruhigendes. Es gleicht einer Art Meditation.“

Ferdinand Georgs Zeichen erhalten durch ihr jeweiliges Gegenstück auf dem gleichen Blatt nahezu eine Persönlichkeit – eine Ansammlung dürrer Zweige neben einer runden Wabe, ein stabiler Bau neben herabhängenden Zöpfen: humorvolle Gesellen oder ungleiche Paare?

Als Kulturaktivist interessiert mich der offene Zustand und der daraus erzeugte Prozess.

Ich nehme das als kreatives Feld wahr, als Skizze einer Werdung.

So entstehen meine Kulturprojekte.

Andrea Heissenberg kombiniert die historischen Zeichen mit lokaler Street Art, und stellt damit fest, wie manche basale Formen über Epochen und Landesgrenzen hin überdauern.

Durch die Beschäftigung mit chinesichen Schriftzeichen habe ich aufmerksamer auf andere Zeichen in der Stadt geachtet, insbesondere die Graffitis. Mir sind Ähnlichkeiten in der Formsprache beider „Zeichensysteme“ aufgefallen, die für mich beide gleichermaßen nicht lesbar sind.

Meine Idee ist, beide Zeichenarten miteinander zu kombinieren, in Dialog treten zu lassen.

Kommunizieren sie miteinander?

Luitgard Heissenberg tastet sich vorsichtig an Zeichen heran, die geometrisch interessant ausfallen. Ihr Fokus liegt allerdings auf der filmischen Zusammenarbeit mit Duan:

„Ich bin sehr an Menschen aus anderen Kulturkreisen interessiert – was sie denken, glauben und fühlen, wie sie leben, zeigt sich in der bildenden Kunst. Darum fand ich es sehr spannend, mir von Yingmei Duan die sehr meditative chinesische Kalligrafie-Kunst zeigen zu lassen und zugleich kontrovers mit ihr über Politik zu diskutieren. Dass wir alle uns Fremden öffnen, ist auch das Anliegen meines Videos, das die Willkommenskultur in meiner Heimatgemeinde behandelt.“

Bei Theo Junge erkennt man, mehr als bei allen anderen Teilnehmern, die menschliche Dimension und den menschlichen Körper als Vorbild der erlernten Zeichen. Sie scheinen dem Betrachter mit ausgebreiteten Armen gegenüberzustehen oder einen, mit einer einzelnen schwarzen Pupille, direkt anzusehen.

„In unterschiedlichen Berufsfeldern war ich tätig: Maschinenbau, Sozialarbeit,   Diakonie, Bildung und Beratung, Psychologie, Supervision. Seit 40 Jahren hat sich die Arbeit immer mehr verdichtet.

Als Rentner kann ich mir Tätigkeiten frei wählen wie ehrenamtliche Arbeit, Kontakt mit den Enkeln oder neue Dinge ausprobieren. Kalligraphie wollte ich immer mal kennenlernen. Die chinesische Kalligraphie zeigt mir, wie ich mich mit Ruhe auf das momentane Tun konzentrieren kann wie beim Herstellen von Kinderspielzeug, beim Betrachten einer Landschaft, beim Lauschen guter Musik…

Jürgen Bernhard Kuck nimmt die chinesische Kalligraphie eher als Anlass, seine eigenen Bildwelten weiter auszustaffieren. Sein sicher eingeübtes Repertoire religiös-atavistischer Symbole und Praktiken wird bereichert durch eine abstraktere, weniger schwungvolle Anordnung und Aufstellung, die detaillierten Figuren werden fast selbst zu eigenen Zeichen, Buchstaben eines ganz eigenen Vokabulars.

„In einer Hieroglyphe verschmelzen Bild- und Schriftzeichen. Das Faszinierende an chinesischen Hieroglyphen liegt für mich in der piktographischen Präzision, die sich in der kalligraphischen Kunst handschriftlich im Hier und Jetzt manifestiert. In einer Art kontrolliertem Zufall verbinden sich dabei Farbe und Papier. Als Schreibender kontrolliere ich die geschriebenen Zeichen nur dann, wenn ich ihnen zugleich Raum gebe, sich frei im Papier als Material und auf der Fläche als Komposition zu entfalten. Anders gesagt: Ich muss die Balance zwischen Emotion und Kalkül finden und in ein intelligibles Zeichen transformieren.“

Jürgen Menneckes Strich ist zeichnerisch, fein, und unterscheidet klar zwischen schwarzer Kontur und grauer Füllung; seine Kompositionen sind angelehnt an populäre Motive asiatischer Tuschemalerei.

„Gezeichnet habe ich immer.

Mein Interesse lag fast ausschließlich in der SW-Fotografie, und ich denke, auch das hat mein Sehen beeinflusst und hat mich der Zeichnung näher gebracht als der Malerei.

Meine wirkliche Berufung zur Zeichnung habe ich erst nach meiner Pensionierung verwirklichen können.“

Kerstin Müllers Hieroglyphen sind einfache, sympathische Wesen, deren simple Struktur fast vergessen lässt, wie viel Entwicklung, Verbesserung, Verhandlung in der Historie einer einzigen Hieroglyphe steckt, um diesen Abstraktionsgrad überhaupt zu erreichen. Auch hier erkennt man den Faktor Mensch, der auf wenige Striche reduziert doch vollständig im Auge des Betrachters erscheint.

Mit einer Brille behalte ich den Überblick. Sehe, was auf mich zukommt. Um mich ganz einzulassen und in Details zu vertiefen, setze ich die Brille ab, lasse mich auf die verschwimmende Sicht ein, gehe so nah ran, bis überraschende neue Formen und Strukturen für mich sichtbar werden.

Christiane Sachse gelingt es, den sonst eher behäbigen Hieroglyphen ein Gefühl von Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung zu verleihen; fast schon wird man erinnert an Speed-Lines aus dem Comic-Zeichenarsenal.

„Ich bin dankbar, dass ich in diesem Projekt die Kalligraphie kennen lerne.

Als ehemalige Krankenschwester war ich in den letzten Jahrzehnten dem immer stärker werdenden Arbeitsdruck mit zunehmender Zeitverdichtung ausgesetzt.

Die meditativen Anteile der Kalligraphie habe ich während der praktischen Übungen erleben können.

Zuletzt erscheinen Elfriede Seibels Zeichnungen als Weiterentwicklungen der Hieroglyphen: die einfachen Strukturen aufbrechend, konstruiert Seibel aus ihnen neue Bilder, experimentiert mit dem Pinselduktus, und inkorporiert die erlernte Formensprache letztlich in eigene Bildwelten.

„Die gemeinsame künstlerische Arbeit mit Yingmei war für mich ein ganz besonderes Erlebnis voller Kreativität. Ich habe sehr gerne mit der chinesischen Tusche gemalt. Die Farbverläufe auf dem Reispapier haben mich zu freien Kompositionen voller Poesie angeregt.“